Arizona Reiseziele USA

Pocahontas und John Wayne – Auf dem Pferderücken durchs Monument Valley

22. Oktober 2017

Braune Augen schauen mich an, die seidig-schwarze Mähne weht leicht im Wind.  Pocahontas ist 8 Jahre alt, und nein, sie ist kein Indianermädchen, zumindest nicht im herkömmlichen Sinne… Pocahontas ist eine junge Mustangstute, die mich durchs Monument Valley tragen wird. Mein langjähriger Traum sollte endlich wahr werden! Wie mein traumhafter Ausritt im Sonnenuntergang verlaufen ist, erfahrt ihr hier.

Das „Marlboro-Country“ aus der bekannten Zigarettenwerbung mit den roten Felsblöcken in der unendlichen Weite des Monument Valleys ist wohl so ziemlich jedem aus TV oder Kino bekannt. Schon lange träumte ich davon, einmal mit dem Pferd durch den „Wilden Westen“ zu reiten, und als ich meinen Roadtrip (Beitrag hier und hier) durch den Südwesten der USA plante, war schnell klar: Unbedingt muss ein Ritt durchs Monument Valley dabei sein!

Einmal durch den Wilden Westen reiten…

Ich hatte mich vorher auf verschiedenen Blogs belesen und bin auf drei Anbieter gestoßen, die geführte Reittouren im Tal durchführen. Da ich kein Reitanfänger bin, sondern mich seit meinem 9. Lebensjahr auf dem Pferderücken wohl fühle, wollte ich gern einen „fast trip“ – eine schnellere Tour mit Trab und Galoppstrecken, möglichst auch nicht in einer großen Touristengruppe, sondern nur mit wenigen Gleichgesinnten. Und wisst ihr was? Ich konnte mein Glück kaum glauben – das alles wurde wahr!

Als ich im Monument Valley ankam, fragte ich an den Infoständen am Eingang zum Reservat gleich nach den Reitmöglichkeiten. Ein Anbieter gab mir nur eine Telefonnummer, aber keine weitere Auskunft (Dineh Trail Rides). Im nächsten kleinen Laden wurden alle möglichen Ausflüge angeboten, u.a. Jeep- und Wandertouren. Dort stand ein junges Paar aus Deutschland vor mir mit dem gleichen Ansinnen und ich erkundigte mich nach einer Tour für geübte Reiter. Der Navajo-Indianer wollte noch wissen, wann ich denn reiten wolle und empfahl  mir eine Tour zum Sonnenuntergang. Die Preise waren zu jeder Tageszeit ohnehin gleich, und natürlich war ich vom Sonnenuntergang begeistert – vom Preis jedoch eher nicht. Es war echt wahnsinnig teuer (fast 180,-€ für 2 Stunden), und dazu kam, dass der Preis für 1 oder 2 Personen gleich ist. Da ich allein unterwegs war, musste ich also den gesamten Preis auch allein bezahlen, sonst hätte man sich das teilen können. Aber egal – so lange träumte ich schon davon, also Augen zu und Karte durch…

Jeans an, Sonnencreme drauf – und los geht´s!

Also ab in meine Unterkunft (Beitrag hier), Jeans an, Sonnencreme drauf, Wasserflasche gepackt – und ab ging´s! Dank sehr ausführlicher Wegbeschreibung bei meiner Buchung fand ich den kleinen Stall (Anbieter: „Sacred Monument Tours“) sehr schnell und wurde von zwei jungen Navajos und einer kleinen Pferdeherde erwartet. Die Pferde sahen gut und gesund aus, gepflegt und gut ernährt. Sie hatten Schatten und Wasser, und war erstmal erleichtert, dass ich keine schlechten Bedingungen vorfinden musste.

Mein Guide, Lionel, fragte nach meinen Reitkenntnissen und nach meinen Vorstellungen, und dann gab er mir eine Erklärung zu Schadenersatzansprüchen, die ich lesen und unterzeichnen sollte. In dem Schreiben entband ich ihn von jedweder Verpflichtung im Falle eines Unfalls, d.h. alles lief auf mein eigenes Risiko. Nach dem Check meiner Wasserflasche (die ist Pflicht auf jeder Tour!), holte er zwei Pferde und fragte, welches ich haben wollte. Beides waren Mustangs, charakterlich ähnlich und „beste Freundinnen“, wie er lachend erzählte. Ich entschied mich für Pocahontas, die mich mit ihrer weiche Nase gleich anstupste. Lionel nahm „Gosso“, die andere Stute, und sattelte beide auf. Die Pferde wurden im Western Style geritten und hatten dementsprechend Westernsättel und – zäumung. Mit beidem war ich vertraut, ich bin in Deutschland auch oft im Westernstil geritten.

Nachdem Lionel meine Flasche in einem Lederholster am Sattelhorn befestigt hatte, ging es los… Ich war am Anfang total aufgeregt, da ich meine Stute ja noch nicht kannte und nicht wusste, wie sie reagiert. Und dann die größte Überraschung: Sie war  sensibel und temperamentvoll, aber wunderbar leicht zu reiten! Sie reagierte auf die kleinsten Signale, erwies sich als extrem trittsicher und irre schnell. Klar, die Mustangs sind dort wild geboren und aufgewachsen und kennen wahrscheinlich jeden Stein im Monument Valley. Sie wurden erst mit einigen Jahren gezähmt und eingeritten, und ich muss ehrlich zugeben, dass ich so gut gerittene Pferde in einem „Touristenstall“ nicht erwartet hatte…

Kurzum- der Ausritt war ein echtes Erlebnis und wahnsinnig schön. Wir waren nur zu zweit, Lionel erzählte mir viel über das Tal, über die Navajo-Kultur, über die Pferde und auch über seine Familie. Auch er stammt aus der Gegend und reitet vermutlich schon seit Geburt an… Wir ritten auf kleinen Pfaden, die zum Teil sehr schmal waren und links oder rechts steil abbrachen. Da muss man seinem Pferd wirklich vertrauen! An einer kleinen Anhöhe gab´s den ersten Galopp, bei dem Lionel meine Sattelfestigkeit testete, und danach war klar, dass ich mit Pocahotas bestens zurechtkam.

Das Monument Valley offenbart vom Pferderücken aus viel mehr seiner Schönheit, da mal langsam und naturverbunden unterwegs ist. So hatte ich beim meiner Rundfahrt auf dem Valley Drive mit dem Auto gar nicht bemerk, dass die Oberfläche der wüstenartigen Gegend von hunderten kleiner, schmaler, tiefeinschneidender Canyons überzogen ist. Wenn man das nicht weiß und im wilden Galopp darüberrast, kann das mitunter tödlich enden… Somit war ich froh, dass Lionel und die Pferde ihre Gegend sehr genau kannten.

Im Galopp den Wash hinauf

Für Trab- und Galoppstrecken boten sich die sandigen, weiten Washs (ausgespülte Flussbetten) an. Man sollte darauf achten, dass Schlüssel, Handy, Geld etc. alles sicher in den Hosentaschen verstaut ist, denn die Mustangs sind schnell und die Wege kurvig. Pocahontas schien es sichtlich zu genießen und stürmte voran – mir trieb es glatt die Tränen in die Augen, so überwaltigt war ich von der Lebenslust meiner Stute und dieser fantastischen Umgebung!

Nach einer Stunden machten wir eine Pause, die Pferde konnten sich ausruhen und ich schüttete mein Wasser in mich hinein. Die Sonne ging langsam unter, die Schatten hinter den gewaltigen Felsmonumenten wurden länger. Wir ritten ganz nah an den zwei meistbekannten riesigen Felsblöcken aus der Marlboro-Werbung vorbei.  John Wayne war hier, und diverse Hollywoodfilme wurden hier gedreht. Ich war beeindruckt von dieser traumhaften Kulisse und werden beim nächsten Film, der dort spielt, sehr genau hinschauen…

Nach knapp zwei Stunden bogen wir auf den Weg zurück zum Stall ab und nach einem kurzen letzten Galopp erreichten wir die anderen Pferde, die Gosso und Pocahontas wiehernd begrüßten. Mittendrin befand sich ein junger, noch halbwilder Mustang, der aufgeregt um uns herum tänzelte. Er sollte in den nächsten Wochen eingeritten werden, erklärte mir Lionel.

Nach dem Absatteln verabschiedete ich mich und fuhr nochmal hinauf zum Hotel „The View“, von dessen Mauer man einen großartigen Blick ins Tal hat, während die Sonne unterging.

Für mich war der Ausritt einer meiner absoluten Höhepunkte meines Roadtrips und ich werde die Stunden sicher nie vergessen. Wer reiten kann, sollte sich das nicht entgehen lassen!

 

Tipps:

  • Wasserflasche mitnehmen – ist Pflicht! Die wird am Sattelhorn in einer kleinen Ledertasche verstaut.
  • Eine fest sitzende (Sport-)Sonnenbrille finde ich empfehlenswert gegen die tiefstehende Sonne in den Abendstunden und gegen den Staub. Ich hatte keine mit und musste die Augen ständig zusammenkneifen…
  • Sonnencreme nicht vergessen, auch abends, die Sonne ist unbarmherzig.
  • Lange Hosen und feste Schuhe sollten selbstverständlich sein.
  • Die Buchung für die Reittour ist in den Info-Ständen und Schmuckläden der Touristeninformation am Eingang zum Monument Valley möglich, Bezahlung bar oder mit Kreditkarte. Mein Anbieter war Sacred Monument Tours.
  • Preis für 2 Stunden: 180,-$, man kann wählen zwischen Touren mit einer oder mehreren Stunden bis hin zu Ganztagsritten (nur für geübte Reiter empfehlenswert).
  • Bei der Angabe zu den eigenen Reitkenntnissen sollte man ehrlich sein, damit man das passende Pferd bekommt und der Guide darauf eingehen kann. Andernfalls könnte es enttäuschend und/oder gefährlich werden.
  • Nie alleine losreiten und nicht vom Guide wegreiten – die Wege sind unberechenbar und die Entfernungen schwer zu schätzen.

 

Herzliche Weltenbummelgrüße von Karo

Dir könnte auch gefallen

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar